In meiner Heimatstadt Nürnberg gibt es seit nunmehr 40 Jahren ein wunderbares Kulturzentrum namens KUNO, das sich – auch und besonders! – der Literatur verschrieben hat. Sie organisieren Literarische Matinéen, verleihen den Fränkischen Literaturpreis und veranstalten u.a. das großartige Wortwärts-Festival. Vor allem aber waren sie die Ersten, die mich offiziell in meinem Schreiben bestärkten. Zum Jubiläum habe ich deswegen eine Dankesschrift verfasst, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Wohlan!

Zuspruch!

Warum das KUNO mich zur Schriftstellerin gemacht hat

„Wann wussten Sie das“, werde ich oft gefragt: „Wann wussten Sie, dass Sie das können?“ Das ist eine gute Frage. Jeder der schreiben kann, könnte theoretisch Bücher verfassen. Er könnte Buchstaben und Worte aneinanderreihen, Seite um Seite. Er könnte, wenn er Ausdauer, Disziplin und Herzblut besitzt, Dinge notieren und vervielfältigen und vielleicht sogar verkaufen. Aber so einfach ist es natürlich nicht. Schreiben, wirkliches Schreiben, ist nicht nur harte Arbeit – es hat immer auch etwas Ungreifbares. Da gibt es dieses besondere Etwas. Diesen unerklärlichen, kryptischen Zusatz, der den Unterschied macht. Denn vollgeschrieben Seiten ergeben noch lange kein Buch. Und Aufgeschriebenes ist noch lange nicht Literatur.

Woher also weiß man, dass man dieses Etwas in sich trägt? Dass man das Zeug hat, Geschichten so zu erzählen, dass andere sie lesen wollen? Dass man Figuren so entwickeln kann, dass sie den Lesern ans Herz wachsen? Dass man die Kraft und das Können besitzt, eine ganze, eigene Welt zu entwerfen, in der andere sich aufhalten, sich herumtreiben, sich verlieren möchten? Dass man also wirklich und tatsächlich Schriftsteller/in ist?

wortlaut

Die vom KUNO herausgegebene Literaturzeitschrift WORTLAUT druckte 1996 eine meiner allerersten Kurzgeschichten ab. Auch wenn sie mich versehentlich Chrisstiane nannten 🙂

Schreiben ist eine einsame Tätigkeit. Wenn man Glück hat, fühlt es sich nicht so an. Dann sitzt man zwar alleine an seinem Schreibtisch, aber in Wahrheit ist man umgeben: von Figuren, von Orten und Worten. Trotzdem kann man daran verzweifeln. Denn Schreiben ist immer auch ein Kampf mit dem eigenen Ich. Nichts ist zwischengeschaltet: kein Instrument, das man üben könnte, keine Maschine mit Bedienungsanleitung, keine Paragraphen, an die man sich halten müsste und dürfte. Alles ist selbstbestimmt: die Suche nach der Text-Melodie, die Wahl der Erzählzeit, jedes einzelne Wort: alles muss von einem selbst ge- und erfunden werden. Da bleibt viel Raum für Zweifel. Ist diese Geschichte es wirklich wert, erzählt zu werden? Kann ich das? Will irgendjemand das überhaupt lesen?

Ich wollte schon als Kind Schriftstellerin werden. Ich hatte das Glück, in einem Haushalt voller Bücher aufzuwachsen, mit lesenden und lauschenden Eltern. Niemand hat die Stirn gerunzelt, als ich äußerte, schreiben zu wollen. Niemand hat gelacht oder wollte mir die Flausen aus dem Kopf vertreiben. In der Schule gab es Lehrer, die meine ersten Schreibversuche unterstützten. Aber irgendwann kommt der Moment, in dem das Bestärken der Nahestehenden nicht reicht. Der Schreibende, der auf längere Sicht seine Tätigkeit zum Beruf machen möchte, benötigt Zuspruch! Und er benötigt zuallererst die Bestätigung einer ihm fernen Instanz.

Diese Instanz muss glaubwürdig sein. Sie muss sich auskennen in dem, was man vorhat zu tun. Sie muss unzweideutig das unerklärliche Etwas wittern, die besondere, literarische Fähigkeit. Diese Instanz, die einen (noch) nicht kennt, muss das, was man verfasst hat, lesen, prüfen und rufen: „Du kannst das! Mach weiter!“

Das KUNO war und ist so eine Literatur-Instanz. Der Zuruf und Zuspruch des KUNOs hat Gewicht – nicht nur für denjenigen, der ihn empfängt. Und ich bin bis heute dankbar dafür. Denn mit der Auszeichnung durch den Preis der Nürnberger Kulturläden wurde ich in meinen Schreib-Versuchen erstmals ermutigt. Später sollten weitere Instanzen folgen, die mich auf meinem Weg bestärkten: der Verlag, die Agentur, die Kritiker, die Leser. Aber das KUNO war die erste Instanz. Es hat mich aufgespürt und gefördert. Plötzlich sah ich meine Worte abgedruckt und sogar übersetzt, plötzlich stand ich vorlesend vor fremden Zuhörern, plötzlich sprachen mich Unbekannte auf meine Erzählungen an. Erstmals ahnte ich, dass meine Hoffnung wahr werden könnte. Dass ich wirklich das Zeug haben könnte, Autorin zu sein.

Diese erste, von außen kommende Bestätigung ist für einen Schreib-Aspiranten unendlich viel wert. Es ist so wichtig, dass es sie gibt. Es geht nicht nur darum, dass man nun, hurra, mal einen Preis gewonnen hat. Es geht nicht darum, im Sinne eines Wettbewerbs der Sieger zu sein und als erster die Ziellinie zu überschreiten. Es geht um jenen Zuspruch, der eine ganze Lebensrichtung bestärken kann. Er kann Weichen stellen und Türen öffnen. Er kann tatsächlich Schriftsteller hervorbringen – so wie mich. Er kann die Schnittstelle sein, die einen Traum Realität werden lässt.

In diesem Sinne: Danke, KUNO. Und Alles Gute zum Jubiläum! Mögen noch viele weitere folgen.

http://www.kultur-nord.org/